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Artikel der WAZ vom 23.5.2026

D Mit defektem Toaster ins Repaircafe: ,,Habt Ihr nichts Komplizierteres für uns?"

Bottrop. Im Reparatur-Cafe in Bottrop helfen Ehrenamtliche dabei, defekte Haushaltsgeräte wieder flottzumachen - manchmal reicht schon ein kleiner Handgriff. Doch klappt das immer?

 

Von Nina Stratmann, Stellvertretende Redaktionsleiterin 23.05.2026, 07:57 Uhr

 

Es ist der Klassiker. Die Garantiezeit meines Toasters, ein schickes Markenmodell mit Edelstahl-Gehäuse, ist noch nicht allzu lange abgelaufen. Da stellt der Brot-Röster prompt seinen Dienst ein. Keine Toastscheibe schnellt am Morgen mehr perfekt gebräunt durch die Öffnung.

Vorläufige Diagnose meinerseits: Ein elektrisches Problem ist es nicht, eher ein mechanisches. Aber an einen Reparaturversuch traue ich mich nicht heran.

 

Doch als Elektroschrott entsorgen und einen neuen kaufen? Das ist einerseits teuer und andererseits alles andere als nachhaltig. Und schließlich weiß ich durch etliche Ankündigungen auf unseren Kanälen: Es gibt mindestens drei regelmäßig stattfindende Repaircafes in der Stadt - in Grafenwald, auf dem Eigen und in Batenbrock -, in denen Ehrenamtliche mit

handwerklichem Geschick versuchen'

Defektes wieder flottzumachen. Probieren

wir das doch einmal aus.


 Reparatur-Cafe in Bottrop-Batenbrock: Kuchen versüßt die Wartezeit

 

Mit dem Toaster unter dem Arm betrete ich das Bürgerhaus Batenbrock am Volksnark. Während aus einem der hinteren Räume fröhlicher Chorgesang klingt, hat das Team des Reparatur-Cafes vom Verein Bobbie (Bottroper Bürger begeistert im Einsatz) den großen Saal übernommen. Vereinschef Rolf Grassmann nimmt an einem Tisch die Anmeldung entgegen. Handschriftlich wird festgehalten: Wer ist die Kundin, was möchte sie repariert haben. Und natürlich wird der Haftungsausschluss dokumentiert, für alle Fälle. ,,Wir sind eben in Deutschland", meint Grossmann mit einem Achselzucken.


 


Da ich nicht die erste bin, die eine Reparatur wünscht, muss ich ein wenig warten. Das wird einem hier leicht gemacht, denn an der

Küchentheke verkauft Gabriele Firmenich '

eine Ehrenamtliche aus der Nachbarschaft,

mit Gaby Westhoven Kaffee und selbstgebackenen Kuchen gegen Spenden. Käse-Kirsch sieht verlockend aus. An einem großen Tisch in der Mitte des Saals haben schon ein paar Kundinnen und Kunden Platz genommen.

 

 
   

 

Defekter Verstärker stellt Brüder vor die Frage: wegschmeißen oder reparieren lassen?

 

Zum Beispiel Martin Heidemann und sein Bruder. Sie haben einen seit Längerem defekten Verstärker mitgebracht. ,,Beim Umzug hatten wir den plötzlich wieder in der Hand", erzählt der Bottroper. Da habe sich die Frage gesstellt: ,,Wegschmeißen oder reparieren lassen�' Für die beiden Brüder ist es, wie für mich, die Premiere im Reparatur-Cafe. Da können wir uns gegenseitig Glück mit unseren Geräten wünschen.


Und schon steht „Bobbie" Max Westhoven neben mir, lotst mich mit dem Toaster zu seinem Reparaturtisch. Insgesamt gibt es sieben Plätze, an denen heute gewerkelt wird. Für mein Problem bereit steht noch ein zweiter Ehrenamtlicher, Uwe Kucharczyk. Ein rollender Schubladenschrank mit Werkzeug ist in Reichweite, von der Pinzette bis zur Zange ist hier alles Mögliche drin.

 
   

 


„Meine" Reparateure angeln sich jetzt erst einmal eine Spitzzange. Denn das Teil im Toaster, auf dem die Brotscheibe normalerweise nach unten gefahren und am Ende des Röstvorgangs wieder nach oben ausgeworfen wird, hat sich übel verhakt.

„Die Spitzzange ist zu kurz", stellt Uwe Kurcharczyk fest. Trotzdem ist das festgeklemmte Teil in kürzester Zeit befreit. Keine wirkliche Herausforderung für Max und Uwe, wie es scheint. ,,Habt ihr nichts Komplizierteres für uns?", fragen sie mich und die Fotografin mit einem Lächeln.


Nach der Reparatur kommt die Ursachenforschung

 

Die beiden Herren wollen aber noch der Ursache auf den Grund gehen. ,,Da sind noch dicke Brösel unten im Gehäuse, die können nicht auf das Auffangblech hinunter", meint Uwe Kucharczyk. Einer der größeren Brösel kann aus seiner Sicht dafür verantwortlich sein, dass sich der Toast-Träger verhakt habe. Er glaubt an einen Konstruktionsfehler der kleinen Krümel-Auffangschublande am Boden des Toasters.

„Der Schlitz müsste größer sein, für die

größeren Krümel:'

 

 
   

 

Wir wollen gerade testen, ob nun tatsächlich alles funktioniert - da ist plötzlich im ganzen Raum der Strom weg. ,,Da hat wieder einer einen Kurzschluss verursacht", meint Max Westhoven ganz entspannt.

 

Als Elektro- und Umwelttechniker ist es ihm ein Anliegen, erzählt der Bottroper, dass Haushaltsgeräte nachhaltig genutzt werden können. Sei es ein Toaster, ein Föhn, ein Staubsauger oder die Kaffeemaschine.

„Gerade gestern habe ich noch einen Kaffeeautomaten repariert, sieben Jahre alt. So ein Teil kostet um die 1000 Euro", erzählt Max Westhoven. ,,Das ist doch schön, wenn man länger etwas von seinen Geräten hat:' Zudem „haben wir hier eine tolle Gemeinschaft mit Gleichdenkenden". Rund ein Dutzend Reparateure, meist im Rentenalter, und drei bis fünf Helferinnen an der Kuchentheke (,,Sie sorgen hier für die gute Stimmung") genießen es, gemeinsam etwas Sinnvolles zu tun.


 

„Für diejenigen, die herkommen, ist es auch Unterhaltung. Es ergeben sich Gespräche untereinander", ergänzt Uwe Kucharczyk.

Für den gelernten Fernmeldehandwerker und Elektriker steht bei seinem Tun die Müllvermeidung im Vordergrund.

 

 

Etwa 40 Prozent   ist nicht mehr zu reparieren

Rolf Grassmann, im Reparatur-Cafe in Bottrop-Batenbrock

 

 

 

Was haben die beiden nicht schon alles auf ihrem Reparaturtisch gesehen. Zu den häufigsten Geräten gehören auch CD-Player, Bügeleisen, Staubsauger, elektrische Zahnbürsten. ,,Es ist auch schon einmal jemand mit einer großen Aufschnittmaschine hergekommen", erzählt Max Westhoven.


Grundsätzlich ist man mit elektrischen und mechanischen Geräten aus Haushalt, Garten, Werkstatt, Keller und Garage in diesem, auch dank Sponsoren betriebenen Reparatur-Cafe richtig.

 

Feste Preise gibt es nicht. Aber, wie formuliert es Gabriele Firmenich so schön:

„Gegen Spenden kann man sich nicht wehren'.' Und klar: Am Ende landet auch von mir ein freiwilliger Obolus in der kleinen Spenden-Box aus Holz, die an der Anmeldung steht. 

 
   

 

 Nicht alle, die heute mit ihrem defekten Elektrogerät ins Repaircafe kommen, werden es auch glücklich wieder verlassen. Manches, sagt Rolf Grassmann als Vorsitzender vom Bobbie e.V., lasse sich einfach nicht mehr in Ordnung bringen.

 

„Etwa 40 Prozent sind nicht mehr zu reparieren", ist seine Erfahrung. Entweder, weil die Schäden zu groß sind. Oder weil es nicht die passenden Ersatzteile gibt.


Bisher zählen vor allem Menschen, die sehr wenig Geld haben, und eher ältere Semester zu den Kundinnen und Kunden im Repaircafe. Die Zeit am späten Freitagnachmittag/frühen Freitagabend ist aber extra so gewählt, dass auch Menschen, die noch im Beruf stehen, das Angebot nutzen können.

 

 

 

Das Reparatur-Cafe vom Bobbie e.V. findet in der Regel am 3. Freitag im Monat von 16 bis 19 Uhr im Bürgerhaus Batenbrock an der Ziegelstraße 15 statt. Kontakt: [email protected]. Die Termine bis zum Ende des Jahres 2026: 19. Juni, 17. Juli,

 

21. August, 18. September, 16. Oktober, 20.

 

November, 18. Dezember.

 

 



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